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Wie Hideo Kojima und sein Team mit Sounds die Welt von Death Stranding füllen

Jedes Spiel von Hideo Kojima hat einen fast cineastischen Ansatz. Neben dem Gameplay ist die Gesamtinszenierung von Death Stranding wieder genau nach diesem System umgesetzt. Dazu gehören neben einer atmosphärisch dichten Welt natürlich auch die dementsprechenden Visuals und passendes Audio. Zum Audiokonzept verbinden sich hier die normalen Spielesounds mit einem beeindruckend unterschiedlichen Soundtrack aus klassischer Musik, elektronischen Tönen und dem Titeltrack „Death Stranding“ von der Glasgower Band CHVRCHES. Und damit hört es nicht auf, die Bandbreite musikalischer Stile ist bemerkenswert, so kommt auch die Deathcore-Band Bring Me The Horizon mit einem Titel mit auf den Soundtrack und viele andere mehr.

Doch wie schafft Kojima, all diese Genres zu mixen und am Ende noch ein stimmiges Gesamtergebnis zu erhalten? Dazu haben wir uns tief in die audiovisuellen Strukturen von Death Stranding begeben…

Ein (nicht so) klassischer Titeltrack
Klar, wie ein großer Film einen echten Titeltrack braucht, so braucht auch Death Stranding einen imposanten Track, der das Spiel unter seine Fittiche nimmt. Doch da fängt es schon an: CHVRCHES mögen in der Synth-Pop-Szene Glasgows Bekanntheit haben, sie sind doch im Gesamtkontext eher noch Newcomer. In Großbritannien mögen sie einige Preise gewonnen haben, aber dass Kojima sie für sein Sony-Debüt verpflichten würde, hätte zunächst keiner gedacht. Wer den ersten Trailer gesehen hat, der auf der E3 das Spiel ankündigte, weiß allerdings, dass der Track einfach perfekt funktioniert. In einem Interview des BBC sagte die Band sogar, dass Kojima ihnen komplette Freiheit bei der Gestaltung des Songs gegeben hat. Bei einem Perfektionisten, der immer und überall mit involviert ist, ist das fast ein Ritterschlag.

Die Vielfalt der Emotionen
Hideo Kojima will mit Death Stranding erreichen, dass sich die Menschen wieder auf Verbindungen besinnen. In einem Interview sagte er: „Trump baut eine Mauer, UK tritt aus der EU aus und wir bauen Brücken“. Das einfache Gefühl, Einsamkeit durch die Verbindung mit anderen Menschen zu besiegen, ist ein großer Teil dessen, wofür dieses Spiel steht. Und das wird besonders durch den Sound und die Musik erreicht. Wenn ihr in dieser riesigen Welt unterwegs seid, Streicher und Orchester die Unendlichkeit unterstreichen, dann fühlt ihr euch fast schon verloren. Dann kommt ihr in einen Kampf, das Tempo der Musik ändert sich und sogar das Genre, abrupt und unnachgiebig.

Deshalb passt eine Band wie Bring Me The Horizon zu diesem Spiel – etwas, was auf den ersten Blick außerhalb dessen ist, was wir erwarten würden. Das verdanken wir allerdings auch dem Hauptkomponisten hinter Death Stranding: Ludvig Forssell. Als einer der wenigen Mitarbeiter im Team, der nicht aus Japan stammt, hat Forssell einen ganz anderen Blick auf die musikalische Ausgestaltung eines Spiels als Kojima und das restliche Team. Schauen wir auf einen Titel wie Final Fantasy, dann sehen wir den Unterschied: Genregrenzen werden aufgebrochen, scheinbar nicht passende Puzzleteile zusammengesetzt und in Momenten, in denen wir die Ruhe bräuchten, werden wir in ein Meer von Sounds geworfen. Dann, wenn die Verzweiflung am größten ist, hebt uns das Spiel dank des Soundtracks wieder auf und baut uns auf – nur um irgendwann wieder mit einem Schlag in die Magengrube zu kontern.

Konzepte und Gegensätzlichkeiten
Wie Kojima schon in mehreren Interviews betont hat, ist Death Stranding sicherlich nicht für jeden Spieler das richtige Game. Man muss sich schon auf die Weite und die Story einlassen, um das Erstlingswerk von Kojima Productions als Meisterwerk ansehen zu können. Und das liegt wirklich an allen Aspekten des Spiels: Die langsamen Passagen, die Cutscenes, der stark wechselnde Soundtrack und die Offenheit der Welt – all das verbindet sich entweder zu etwas, das man als Spieler großartig findet, oder man langweilt sich, wie man in einigen Reviews schon gehört hat.

Am Ende ist aber eines klar: Soundtechnisch ist Death Stranding etwas ganz Besonderes, etwas, das man in der heutigen Zeit der glattgebügelten AAA-Titel normalerweise so nicht mehr bekommt. Kojima geht das Risiko ein, das Spiel oftmals gegen Genrekonventionen laufen zu lassen – unterstützt von einem Soundtrack, der inkompatibel erscheint und sich doch am Ende zu einem atmosphärisch dichten Ganzen zusammenfügt. Seien wir ehrlich: Das kann sich nur Kojima heutzutage so leisten.