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Wie Apex Legends frischen Wind in die Battle-Royale-Welt gebracht hat

Mit vielen kleinen Features und einigen Neuerungen hat Apex Legends auch bei Nichtfans von Battle Royale einiges bewegt.

Nachdem jedes Spiel heutzutage einen Battle-Royale-Modus enthalten muss, um erfolgreich zu sein, und es dazu noch einige Games gibt, die nur auf diesen Modus setzen, war nicht zu erwarten, dass Apex Legends von Respawn Entertainment solche Wellen schlägt. Durch die Verbindung von Altbekanntem mit sinnvollen Änderungen und Neuerungen, haben es die Entwickler geschafft, einen Überraschungshit zu landen. Aber: Warum ist das so? Was macht Apex Legends auch interessant für Spieler, die dem Battle-Royale-Genre zunächst nichts abgewinnen konnten? Wir schauen uns an, was Apex Legends richtig macht.

Hype und der richtige Moment
Eigentlich warteten Fans von Respawn Entertainment auf ein neues Titanfall und alles sprach dafür, dass Titanfall 3 zumindest angekündigt werden würde. Es gab eine geleakte Karte, die – wie wir jetzt wissen – King’s Canyon in Apex Legends und nicht eine Multiplayer-Karte von Titanfall 3 zeigte. Es baute sich also langsam Hype auf, aber niemand wusste wirklich, was passieren würde. Das war der erste Coup der Entwickler, praktisch niemand wusste Bescheid. Im Normallfall gibt es Preview-Events, Presseevents etc., dieses Mal nicht. Einige Influencer wurden zum Launch verpflichtet und dann war Apex Legends einfach da – ohne große Kampagne, ohne Presse-Coverage…

Apex Legends wurde zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, zu dem viele große Fortnite-Streamer keinen Spaß mehr am Spiel hatten, die Spielerzahlen von PUBG stetig fielen. Call of Dutys BR-Modus BlackOut war nur kurz wirklich erfolgreich, Battlefield 5s Firestorm-Battle-Royale-Modus war noch nicht erschienen, es gab bereits einen Abgesang auf das gesamte Genre.

Und dann kam Apex Legends, scheinbar frischer Wind. Und da ist durchaus was dran, auch wenn viele Features aus anderen Spielen kommen.

Lebensqualität in King’s Canyon
Apex Legends verbindet Hero Shooter mit Battle Royale und hat dazu noch einige Features im Gepäck, die das Leben leichter für jeden Spieler machen. Diese Features sind allerdings fast allesamt aus anderen Spielen bekannt, nur dass kaum jemand weiß, wo die Ideen herkamen. Apex Legends verbindet diese Features zu einem Gesamtpaket, das schlicht Spaß macht und auch Spieler ohne Interesse an Battle Royale an das Genre heranführt. Diese Vorreiterrolle beim Nutzen der besten Features geht so weit, dass auch Fortnite inzwischen in Patches diese Features nachpflegt (Ping-System, Respawn-System, dazu später mehr).

Was also haben die Entwickler bei Respawn Entertainment von anderen Spielen übernommen, das Apex Legends so gut und erfolgreich macht? Zum einen ist das das Ping-System, das dafür sorgt, dass man schnell Feinde, Orte und Loot für das Team sichtbar machen kann – ohne im Chat zu schreiben oder zu sprechen. Das ist generell eine Sache, die Respawn stringent durchziehen: Alles kann, nichts muss. Da jeder weiß, wie wichtig Kommunikation im Team ist, aber viele Spieler nicht sprechen wollen, gibt es neben dem Ping-System noch Text-to-Speech, Speech-to-Text und verschiedene Möglichkeiten, Barrierefreiheit herzustellen (samt eines von den Spielern gelobten Systems für Farbenblinde).

Keines dieser Features ist wirklich neu: Ein Ping-System gab es zum Beispiel in der Battlefield-Serie, nur wird es eben in Apex Legends immens verbessert, Text-to-Speech und Speech-to-Text sind nicht neu, aber noch nie so gut integriert gewesen, Heldenklassen gab es in Realm Royale, aber niemals so ausbalanciert und sinnvoll. Apex Legends übernimmt also viel von anderen Titeln, baut darauf auf und macht jedes Feature zu einem Teil des Ganzen. Auch das erklärt, warum Apex Legends so schnell so erfolgreich wurde, und warum Spieler, die kein Battle Royale vorher gespielt haben, sich hier wohlfühlen.

Wenn ein Squad richtig zusammenspielt, man sich gegenseitig wieder aufhebt und die Banner der Teamkameraden an den Respawn-Punkten genutzt werden, überlebt man zusammen sehr lange. Auch eines der Features, die von anderen Titeln wie Fortnite langsam aber sicher übernommen werden, weil sich gezeigt hat, wie sehr die Spieler diese Features schätzen.

Design der Karte und Loot
Alle Battle-Royale-Titel verlassen sich größtenteils auf die Verkleinerung des Spielfeldes, um Kämpfe zu provozieren. In PUBG kann man relativ frei immer am Rand des sicheren Bereichs agieren und dann Gegner aus der Entfernung ausschalten, Gleiches gilt zum Beispiel für BlackOut. In Apex Legends gibt es Chokepoints, also Punkte, die schmaler sind und durch die alle Spieler müssen, wenn sie von einem in den anderen Bereich wollen. Das forciert Kämpfe und sorgt dafür, dass eigentlich nie Langeweile aufkommt. Egal, ob ihr am Rand der Karte abspringt, euch ganz in Ruhe mit Gear ausstattet oder direkt in der Hot Zone und auf das Versorgungsschiff springt: Ihr werdet nicht lange allein sein, ihr werdet kämpfen müssen.

Durch verschiedene Features wie Loot-Drops, Care-Packages von Lifeline, Sprungseile und Ziplines kommt ihr in der Welt sowieso gut voran. Wer also als Team zusammenbleibt, kann diese Chokepoints gut durchbrechen, es gibt keine große Möglichkeit für Camper, ewig zu warten und euch auszuschalten. Auf den ersten Blick schränkt das die Spieler ein, weil eigentlich alle anderen Games des Genres komplett offene Karten haben, aber wenn man sich damit ein wenig beschäftigt, haben die Entwickler genau dadurch den Spielfluss verändert – zum Positiven. Es kommt keine Langeweile auf, das Spiel ist schneller und kompakter.

Nebenbei sollte man noch bemerken, wie schnell man von einer zur nächsten Partie kommt. Andere Battle-Royale-Spiele haben Pre-Game-Lobbys und es dauert schlicht zu lange, bis man im nächsten Match ist. Apex Legends vereinfacht und beschleunigt diesen Prozess so sehr, dass man keine Zeit hat, nach einem verlorenen Game negativ nachzudenken: Man beginnt einfach ein neues Match.

Movement und Waffen-Handling
Die meisten von euch wissen sicherlich, dass Apex Legends wie Titanfall und Titanfall 2 auf einer stark modifizierten Version der Source-Engine von Valve basiert. Das hat Vorteile, die auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind. Das Movement in Apex Legends ist nicht nur schnell, mit etwas Übung kann man sich so sehr Vorteile verschaffen, dass man auf einem anderen Level agiert: Bunny Hopping, Trick Jumps und immens schnelle Richtungswechsel machen euch zu einem schweren Ziel und obwohl leider gewisse Tricks schon wieder rausgepatcht wurden (Waffenwechsel mit Crouch zum Beispiel), gibt es doch immer noch einen unglaublichen Unterschied zwischen Spielern, die nur gut Zielen können und Spielern, die das Movement beherrschen. Ein Slide im richtigen Moment, ein Sprungkick (schneller als normale Nahkampfattacken) und andere Kunststücke retten euch das Leben, wenn ihr noch keine Waffe habt.

Dazu kommt, dass das Waffen-Handling in Apex Legends sehr, sehr gut ist. Basierend auf den Systemen von Titanfall macht das Gunplay in Apex Legends schlicht viel Spaß. Natürlich muss der Netcode noch verbessert werden, da immer noch Treffer nicht registriert werden, aber generell machen fast alle Waffen Spaß (außer der Mozambique ;)). Wenn ihr dann noch die richtigen Accessoires findet, geht es richtig los.

Bei den Waffen muss man zudem sagen, dass sie nachvollziehbar und konstant sind: Spray-Pattern, konstanter Schaden etc. sorgen dafür, dass man die Waffen lernen kann, ohne sich Zufällen zu unterwerfen. Der Wingman zum Beispiel ist unglaublich stark in geübten Händen, aber dafür muss man eben gut zielen können, der eigene Skill unterscheidet darüber, ob eine Waffe wirklich stark ist.

You are the Jumpmaster
Wenn die Entwickler bei Respawn Entertainment es schaffen, konstant neue Inhalte und Legenden zu bringen (der Battle Pass und Season 1 kamen schlicht zu spät), das Balancing noch feiner austariert wird und der Netcode noch verbessert wird, dann kann Apex Legends viel mehr als eine Eintagsfliege sein, es kann das Battle-Royale-Game sein, das für jeden das Nonplusultra ist. Die Entwickler haben bereits bewiesen, dass sie nicht einfach wild das Balancing ändern, sondern behutsam am Spiel arbeiten, um Apex Legends weiterzuentwickeln – ohne die Identität zu verwässern.

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